R


Aussprache des R im Norwegischen - rollen oder nicht rollen?

 

Das dürft ihr euch zum Glück frei aussuchen, wenn ihr Norwegisch lernt (-: Doch wenn ihr euch für eine Variante entschieden habt, gibt es jeweils ein paar Besonderheiten zu beachten, die das Rulle-R und das Skarre-R mit sich ziehen. Hier habe ich euch eine Übersicht zusammengestellt, wie die unterschiedlichen R-Laute im Norwegischen klingen.

 

norwegische Aussprache

 

Wenn ihr eure Lern-Entscheidung übrigens abhängig machen wollt von dem Gebiet, in das es euch am meisten zieht, schaut euch die Verbreitung des nicht-gerollten R an (gelb markiert). Die Region ist überschaubar, reicht etwa von Arendal im Süden hinauf über Stavanger bis Bergen im Westen. Die allermeisten Norweger rollen also, hört mal genau hin!

 

 

Für R-Roller

(å rulle – å bruke rulle-r/„Zungenspitzen-r“)

 

Alleinstehend wird das R gerollt, in Verbindung mit manchen Buchstaben wird es zu einem retroflexen R und „verschmilzt“ mit ihnen. Das ist eine norwegische Aussprache-Besonderheit, die Training erfordert, weil es die meisten dieser Laute im Deutschen nicht gibt.

 

Infos (auf Englisch): https://www.ntnu.edu/now/7/pronunciation

 

  • r vor s: -rs- = [ʃ] = /sch/ (NICHT /rsch/, das -r- ist stumm!)

→ norskkurs, morsom, mars, tursekk, De bor sammen

/noschkkusch/, /moschom/, /masch/, /tuschekk/, /de boschammen/

 

 

Bis hierher ist es noch ganz einfach, da -rs- klingt wie unser /sch/. Doch bei den folgenden Verbindungen, nämlich -rt-, -rn-, -rl- und -rd-, hört man das R bei Rollern fast gar nicht mehr als solches – es wird auch auf keinen Fall mehr gerollt, aber eben auch nicht am Zäpfchen ausgesprochen (wie in den Beispielen rechts). Es klingt eher ein bisschen wie ein ganz kurzes, direkt mit dem folgenden Laut zusammen ausgesprochenes englisch-amerikanisches R. Die Zunge kringelt sich dabei am Gaumen. Anfangs ist da intensives Hör- und Sprechtraining erforderlich, um hinter den Trick zu kommen, doch dann geht es irgendwann ganz von selbst.

 

  • r vor t: -rt- = [ʈ]

→ hjertelig, kart, Det er fort gjort, Jeg drikker te

 

  • r vor n: -rn- = [ɳ]

→ gjerne, Arne har ni barn

 

  • r vor l: -rl- = [ɭ]

→ farlig, hvor lenge

 

 

Besonderheit:

  • r vor d: -rd- = je nach Wort

entweder [ɖ] (retroflex)

→ fordi, verden, hard, Hvordan går det?, Har du tid?

 

oder gerolltes [r] + d stumm (wahlweise [ɽ] „dickes L“)

→ nordmann, bordet, ord

/normann/, /bore/, /or/ (/noɽmann/, /boɽe/, /oɽ/)

 

 

Für R-Nichtroller

(å skarre – å bruke skarre-r/„Zäpfchen-r“)

 

Alle R werden deutlich hinten im Hals mitgesprochen, auch in Verbindung mit anderen Buchstaben. Das norwegische ungerollte R wird niemals so vokalisiert oder gar halb verschluckt wie im Deutschen! Je nach Region kann das in Norwegen sogar wie ein starkes /ch/ klingen.

 

  • r vor s: -rs- = /rs/

→ norskkurs, morsom, mars, De bor sammen

 

  • r vor t: -rt- = /rt/

→ hjertelig, kart, Det er fort gjort, Jeg drikker te

 

  • r vor n: -rn- = /rn/

→ gjerne, Arne har ni barn

 

  • r vor l: -rl- = /rl/

→ farlig, hvor lenge

 

 

Besonderheit:

  • r vor d: -rd- = je nach Wort

entweder /rd/

→ fordi, verden, hard, Hvordan går det?, Har du tid?

 

oder /r/ (d stumm)

→ nordmann, bordet, ord

/normann/, /bore/, /or/

 

 

Also: Ich will immer alle R deutlich hören!

 

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Die Aussprachebesonderheiten in dieser Übersicht habe ich fast nur in Hinblick auf das Thema gerolltes bzw. nicht-gerolltes R markiert, nicht auf andere Ausspracheregeln! Zwischen den // befindet sich also nicht die vollständige Lautschrift, sondern meist nur ein Hinweis auf die Art des R. Bitte versucht also nicht, anhand dieser Listen die kompletten norwegischen Sprechregeln abzuleiten!

 


 

 

Ihr möchtet eigentlich so gern das R an der Zungenspitze rollen, bekommt das aber nicht hin? Kein Problem, das kann man lernen, und zwar mit diesem einfachen Trick:

 

Alles, was ihr benötigt, ist ein schönes Wort mit "Br-" am Anfang, z. B. "Brötchen", "Brauerei" oder "Bravo". Ersetzt nun das -r- vorn durch ein -d- und sprecht das Wort immer wieder und so häufig wie möglich vor euch hin: Bdötchen, Bdauerei, Bdavo. Achtet dabei darauf, keine Pause zwischen B- und -d- zu machen. Bdötchen, Bdauerei, Bdavo. Nee, schneller! (-:

 

Eure Zunge befindet sich in dem Moment, in dem sie das -d- spricht, an der selben Stelle, wie sie es für ein gerolltes R müsste, und wird nach und nach 'lockerer'. Nur Geduld! Irgendwann könnt ihr aus dem -d- tatsächlich ein R hören, und es nach einer Weile sogar selbst bilden. Und wenn ihr fleißig bleibt, könnt ihr es auch bald in anderen Wörtern sprechen, ohne das B zuhilfe zu nehmen.

 

Probiert das mal und erzählt mir von eurem Trainingsergebnis in den Kommentaren!

 

 



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