Norwegisch AKTIV: Erfahrungsbericht/Lehrbuch-Rezension


"Norwegisch AKTIV", Hauke Fehr, Fehr Media (Software)

 

Heute gibt es eine interessante Rezension, und zwar handelt es sich um Lernsoftware für den PC. Mit Norwegisch AKTIV habe ich schon gelegentlich unterrichtet - das mag widersprüchlich klingen, ist aber durchaus eine Alternative zum Lehrbuch, wenn auch nicht meine erste Wahl. Ist natürlich Geschmackssache. Kein Programm der Welt ersetzt meiner Meinung nach richtigen Unterricht (vgl. mein Erfahrungsbericht über die App Duolingo), aber was diese Software dennoch alles kann, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

 

Erfahrungsbericht Norwegisch aktiv Lernsoftware

Kurzfassung

 

Pluspunkte: selbstkorrigierende Übungen, inhaltlich wie sprachlich gute Dialoge und interessante Übersetzungsfunktion, Vokabeltrainer.

 

Minuspunkte: sehr wenige Übungen, nicht mehr sehr aktuell, ein paar Schreib- und Übersetzungsfehler, einzig durchs Selbststudium kann nicht das erreicht werden, was suggeriert wird.

 

 

Norwegisch AKTIV bei Fehr Media ansehen

 

 

Gut geeignet für

- Lerner aller Altersgruppen, Interessengebiete und Lerntempos,

- Interessenten, die selbstständig ins Norwegische reinschnuppern und erste Grundlagen „nebenbei“ lernen möchten,

- keine Gruppenkurse, da man eigenständig und „isoliert“ arbeitet,

- noch besser als zum Selbststudium eignet es sich wie ein normales Lehrbuch im Einzelunterricht. 

 

 

Inhalt/Themen

 

Die Inhalte der Lektions-Dialoge weichen im positiven Sinne etwas vom typischen Lehrbuch ab und erzählen viele Facetten eines norwegischen Alltags: ein Zoobesuch, eine anstrengende Parkplatzsuche, ein Treffen im Chat; alles recht zeitlos. Sowohl der Gelegenheits-Urlauber als auch der zukünftige Auswanderer und Alt wie Jung können das Vokabular gebrauchen.

 

Die Landeskunde ist unspektakulär, und inzwischen könnte gern etwas Aktuelles her; die letzte Version ist von 2006.

 

Achtung, es scheint sich um eine Übersetzung der Software Schwedisch AKTIV/SOUVERÄN zu handeln, und hier und da haben sich unübersetzte schwedische Wörter und einige Tippfehler eingeschlichen. Wer alleine lernt, wird darauf höchstwahrscheinlich nicht aufmerksam und lernt u. U. eine falsche Vokabel!

 

 

Aufbau und Konzept

 

Die Installation ist einfach, und außer Lautsprecher oder Kopfhörern braucht man keine spezielle Ausrüstung.

 

Der Kurs bietet 40 Lektionen, durch die man sich teilweise lauschend, vordergründig aber lesend und vor allem klickend bewegt. Man kann die Lektionen entweder nacheinander machen muss (z. B. wenn man das erste Mal lernt) oder in beliebiger Reihenfolge seinem Trainingsschwerpunkt gemäß angehen (z. B. wenn man bereits Vorkenntnisse besitzt).

 

Sie bestehen aus einem Dialogteil, umfassenden und ansprechend formulierten Gammatik-Erklärungen und Beispielen, Vokabel-, Grammatik- und Dialog-Übungen, Landeskunde und einem Quiz. Auch hier kann man Reihenfolge und Wiederholungs-Häufigkeit selbst bestimmen. Es existiert auch eine Möglichkeit, per Mikrofon die eigene Sprache aufzunehmen und damit angeblich die Aussprache zu üben, aber das habe ich nie ausprobiert, weil ich sicher bin, dass das Unsinn ist. Dafür braucht es unbedingt Training mit einem echten Menschen.

 

Interessantes Extra: Ein Vokabeltrainer, dem man eigene Wörter zufügen kann, ist auch vorhanden.

 

Richtig gut: Innerhalb der Texte sind alle Worte und Sätze einzeln anklickbar und werden vorgelesen und übersetzt (also einmal die einzelne Wortbedeutung und einmal die Bedeutung im Satzzusammenhang). Die Sprecher sprechen angenehm „normal“, nicht gekünstelt und nicht übertrieben langsam.

 

Da man im Prinzip nicht mal Stift und Papier benötigt, sondern sich wie in einem Computerspiel verhält und durch Klicks neue Level erreicht, wirkt der Lernvorgang mehr spielerisch als schulisch, und man ist motiviert, sich mit der Sprache auseinanderzusetzen und die kleinen Geschichten weiter zu verfolgen.

 

 

Rezension Norwegisch aktiv Lernsoftware

(klicken zum Vergrößern)

 

 

Übungen

 

Alle Übungen, die, wie hier, ein Programm automatisch auf richtig/falsch überprüft, sind natürlich praktisch für Selbstlerner. Das Repertoire dieses Kurses ist pro Lektion allerdings weder groß noch abwechslungsreich genug, als dass man es nicht bald „durchgespielt“ hat und bei weiteren Wiederholungen auch auswendig kann. Dann geht der Lerneffekt verloren. Die Trainingsmöglichkeiten sind nicht unattraktiv, aber nicht annähernd ausreichend, um die Grammatik zu durchschauen.

 

Dass echte Konversation – also das, worauf es vielen Norwegen-Fans am meisten ankommt – mit einer Software dieser Art nicht geübt werden kann, sollte klar sein. Aber sie ist geeignet, um sich Grundlagenwissen anzueignen, das in einem Konversationskurs später vertieft werden kann.

 

Wie immer, wenn man ohne Lehrer lernt: Man wird niemals schlauer als sein Material. „Kann man dasunddas nicht auch soundso sagen?“ oder „Warum wird XY mal so und mal anders übersetzt?“ bleiben unbeantwortete Fragen, und man ist in Wortschatz, Satzbau und Idiomatik völlig auf das Programm beschränkt. Schlau ist, wer es als normales Kursmaterial in einem Sprachkurs mit richtigem Lehrer benutzt.

 

 

Design

 

Auch natürlich etwas „alt“, und gerade in der Computerwelt, in der sich alles ständig wandelt und aktualisiert, können heutige Programme (und Websites mit Online-Übungen) so viel mehr. Aber es ist trotzdem nett gemacht.

 

Durch die vielen auswählbaren Fenster muss man sich erst einmal durchwurschteln und verliert anfangs vielleicht den Überblick oder übersieht Funktionen. Mit ein wenig Geschick ist aber alles selbsterklärend und nicht nur für Computer-Profis verständlich.

 

 

Progression/Niveau

 

Das allgemeine Tempo ist hier richtig gut an den individuellen Lerner anpassbar: Wer sofort die neuen Informationen aufnimmt und verinnerlicht, kommt angenehm schnell voran, ohne sich zu langweilen, und wer es gern gemächlich mag, der kann so lange an einer Lektion arbeiten, wie er es für nötig hält, oder sogar vorherige Lektionen wiederholen.

 

Laut Hersteller kann das Lehrwerk zum Niveau A2/B1 des GER führen, aber das ist m. E. wirklich nur mit intensivem zusätzlichem Training und viel Extra-Übungsmaterial möglich. Mündlich erreicht man im Selbststudium sicherlich kein B-Level.

 

 

Was ist eure Meinung zu computergestütztem Lernen? Sind Sprachprogramme sinnvoll? Habt ihr damit gute Ergebnisse erzielt? Oder gibt es bessere Varianten? Nutzt das Kommentarfeld zur Diskussion!

 

 


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