Mythen des Sprachenlernens: „Das Ziel beim Fremdsprachen-Lernen ist es, ohne Akzent zu sprechen.“

Ah, die „Akzentfreien“ immer. Diese Idee nervt mich ehrlich gesagt massiv, denn ich kann sie überhaupt nicht nachvollziehen. Es gibt sooo viel Wichtigeres beim Sprachenlernen als irgendwelche Akzente. Darum:
❌ „Das Ziel beim Fremdsprachenlernen ist es, ohne Akzent zu sprechen.“
✅ Nein! Richtig ist: Niemand muss akzentfrei seine Lernsprache sprechen! Den meisten Erwachsenen ist das sogar „technisch“ gar nicht mehr möglich, egal, was sie versuchen. Woher kommt dieser Anspruch? Findest du Menschen anderer Herkunft, die Deutsch mit Akzent sprechen, doof? Ich nicht. Dein Akzent ist deine Persönlichkeit, und das ist ok. Ist deine Grammatik gut und dein Wortschatz groß, wirst du so oder so als seriöser Gesprächspartner wahrgenommen. Mit „tadelloser“ Aussprache, aber dafür grottenschlechter Grammatik sehr viel weniger.
Hand aufs Herz: Man wird immer hören, dass deine Lernsprache nicht deine Muttersprache ist. Ja, besonders die Skandinavier loben immer gern „Ach, man hört GAR NICHT, wo du herkommst“, aber das ist in 99 % der Fälle nur Schmeichelei. Natürlich hören sie deine deutsche Grundlage raus; die kannst du als Erwachsener nämlich ganz schlecht ablegen. Ein paar wenige Talente gibt es, aber sätestens bei der Intonation kommt der Ursprung wieder durch und man hört es einfach. Isso.
Und das macht überhaupt nichts! Du hast 20, 40 oder 60 Jahre lang mit deinem deutschen „Mundwerkzeug“ Bewegungen gemacht und Töne produziert, das heißt, du bist diese Sprechbewegungen gewohnt. Beim Deutschsprechen denkst du ja nicht darüber nach, was deine Zunge, deine Lippen oder deine Stimmbänder zu tun haben, sie tun es von selbst. Sie nach so langer Zeit umzugewöhnen und ganz andere Dinge in deinem Mund passieren zu lassen, ist sooo schwer! Laute, die wir im Deutschen nicht haben und darum nicht kennen, hören wir woanders nur selten korrekt raus; unser Ohr (also das Gehirn eigentlich) ersetzt sie mit etwas Bekanntem, was ähnlich klingt, und das sprechen wir dann. Damit klingen wir aber weiter irgendwie deutsch, und das komplett wegzubekommen, schaffen bei Weitem nicht alle Münder.
Leg den Anspruch ab mit dem Akzent; leg den Fokus stattdessen auf einen großen Wortschatz und korrekte Grammatik, das bringt dir in der Konversation mit Landsleuten sehr viel mehr. Is auch so.
PS – story time: Dein Akzent sollte trotzdem natürlich nicht die Verständigung beeinträchtigen. *looking at you, englischsprechende Spanier* Dass ich im Mallorcaurlaub kein Spanisch, Katalanisch oder Mallorquin sprach, war ganz klar meine Schuld. Dass ich die Englisch-Versuche der Iberer leider wirklich, wirklich nicht verstand, lag aber tatsächlich an ihrem Akzent. Und das war echt traurig. Ich konnte mich dort nicht unterhalten! So weit sollte es dann doch nicht gehen mit dem „Akzent egal“; die Zielsprache sollte stärker heraushörbar sein als die Ursprungssprache.
Wie kann man darauf am besten eingehen beim Sprachenlernen?
Es kommt auf jeden Fall nicht drauf an, wer dich unterrichtet, Muttersprachler oder nicht, siehe mein korrigierter Mythos zu dem Thema. Es kommt darauf an, WIE die Aussprache unterrichtet wird und wie gut du dein Gehör trainierst. Das Gehör ist das A und O. Korrektes Hören ist noch keine Garantie, aber ein wichtiger erster Schritt. Dann folgt die Erklärung, wie und wo ein Laut herzustellen ist. Und dann folgt Training.
Einiges kannst du dazu auch im Selbststudium machen. Wie und was, das erkläre ich dir im Blogartikel zu Hörverständnis und Aussprache.
Unser bunt gemischtes Team aus mutterspachlichen und deutschen Lehrkräften – alle mit tipptopp Sprachausbildung, Empathie und viel Unterrichtserfahrung – legt mit dir gemeinsam definitiv den Fokus auf gute Aussprache im Sofasprachkurs, wenn du das möchtest. Nicht akzentfrei ist das Ziel, weil unrealistisch, aber „gut“ allemal. Wir freuen uns drauf!







