Mythen des Sprachenlernens: „Viel hilft viel. Lange Lerneinheiten sind nötig, um schnell voran zu kommen.“

Heute habe ich wieder einen Sprachenlern-Mythos für dich. Den buste ich nicht, um zu klugscheißen, sondern um mit Vorurteilen und Falschinformationen aufzuräumen, die dazu führen können, dass Sprachlerner total frustriert sind und schlimmstenfalls aufgeben. Und das wäre so schade!
Also, Augen auf und Ohren gespitzt, es wird wichtig und kann dem einen oder anderen vielleicht ja helfen, Lernfrust abzubauen:
❌ „Viel hilft viel. Lange Lerneinheiten sind nötig, um schnell voran zu kommen.“
✅ Nein! Richtig ist: Kleine, konzentrierte Lerneinheiten bringen dich am weitesten. Die Häufigkeit ist dazu sehr entscheidend: Jeden Tag 10 Minuten Vokabelnlernen hat mehr Effekt als einmal pro Woche eine Stunde. Auch Unterrichtseinheiten müssen nicht immer möglichst lang sein, da Erwachsenengehirne oft gar nicht so lange aufnahmefähig sind. 45-60 min. voll konzentriert sind dann sinnvoller als 90-120 min. auf „Sparflamme“.
Weil jeder Lerner unterschiedlich tickt, sind meine Empfehlungen überhaupt keine in Stein gemeißelten Regeln, sondern nur Erfahrungswerte. Die allermeisten Kurse bei uns im Einzelunterricht sind 45 Minuten lang und in der Gruppe 60-75 Minuten. Damit klappt es allgemein sehr gut – auch für die Lehrkräfte, die ja irgendwann außer Puste kämen, wenn sie stundenlang am Stück unterrichten würden. So wird dein Unterricht hochqualitativ.
Beispiel: Wenn du in einem Kurs mit 90-Minuten-Einheiten sitzt und die letzte halbe Stunde gar nicht mehr viel mitnimmst, könntest du gleichermaßen auch einen Kurs mit 60-Minuten-Einheiten sitzen, das würde dir Zeit sparen. Denn in der nächsten Stunde muss eh alles, was in den letzten 30 min. vorkam, wiederholt werden, und es geht Zeit aus der Folgestunde verloren. Rechnerisch zahlst du dann drauf. Das muss überhaupt nicht so sein, kann aber. Wie gesagt, immer je nach Gehirn.
Die Konzentration vieler Erwachsener lässt schon nach einer Stunde nach. Häufig gilt: je älter, desto kürzer kann das Gehirn auf Hochtouren arbeiten. Besonders in der heutigen, schnelllebigen Zeit des dauerpräsenten Internets sind wir zudem schnell übersättigt von Informationen. Da ist es praktisch, wenn sich der Sprachunterricht anpassen kann, und zwar so, dass du möglichst bequem und sinnvoll lernst. Und dazu gehört auch, die Lerneinheiten an deine Bedürfnisse anzupassen. Bei gewünschtem hohen Lerntempo kann man, wie oben erwähnt, besser häufigere Termine machen anstatt lange, denn damit lernst du in aller Regel effektiver.
Natürlich gibt es Ausnahmen für diejenigen, die gern und gut länger lernen. Je nachdem, wie es die Schüler wünschen, richten wir uns gern nach euren Anforderungen und haben auch Profi-Lehrkräfte, die problemlos lange Unterrichteinheiten konzipieren. Ich möchte nur klarstellen, dass das keine Notwendigkeit ist, um schnell voran zu kommen, und dass Kurse mit langen Einheiten dir nicht automatisch mehr Unterrichtsstoff vermitteln als welche mit kurzen.
Denk unbedingt dran, dass der eine Unterrichtstermin pro Woche, egal wie lang, nicht ausreicht, um „schnell“ und nachhaltig zu lernen. Dafür brauchst du zusätzlich tägliches Training (Vokabeln, Grammatik usw.), und das am besten, wie auch oben erwähnt, in kleinen, intensiven Häppchen, nicht stundenlang am Stück. Ideen, was du allein mit deinem Lehrbuch anstellen kannst, findest du hier. Tipps zum Hörverständnis- und Aussprache-Üben habe ich dir hier zusammengestellt. Darüber hinaus: Beschäftige dich mit deiner Lernsprache so oft wie möglich, nicht zwingend so lang wie möglich.
Welche Erfahrungen hast du mit der Länge von Lerneinheiten gemacht? Erkennst du dich vielleicht sogar im Mythos wieder?








