Warum Sprachkurse Geld kosten (die Antwort wird dich überraschen ... nicht, hoffentlich)

Eine gute Einleitung habe ich nicht, denn dass dieses Thema immer noch und immer wieder auf den Tisch kommen muss, macht mich jedes Mal baff. Ich gehe sofort rein:
Warum sind Sprachkurse nicht kostenlos?
Weil hier Menschen sitzen, die Geld durch ihre Arbeit verdienen wollen, so wie du auch nicht gratis für deinen Chef ackerst. In den Preis professioneller Sprachkurse wie unserer fließen tausend verschiedene Kosten ein, Unterricht wie Betriebskosten. Das sollte eigentlich logisch sein.
„Aber warum Menschen dafür bezahlen, wenn es eine App kostenlos macht?“ Stimmt, warum eigentlich. Ich Dummi. Aber ich bin nicht hier, um dir die Unterschiede zwischen einem Sprachspiel per App und qualifiziertem Unterricht mit echten Menschen zu erklären, weil ich einfach hoffe, dass du die kennst. Oder mal in diesen Artikel reinschaust.
Nee, im Ernst, ich bin hier für einen guten alten Rant! Warum muss man uns das Recht absprechen, von unserer Arbeit leben zu können? Sprachlehrer (Übersetzer, Dolmetscher, Korrektor, Lektor, ...) ist ein Beruf, kein Hobby. Eine Sprachschule am Laufen zu halten ist kein Feierabendprojekt fürs gute Gefühl. Das ist mein Hauptjob. Damit muss und möchte ich Geld verdienen. Wenn du nicht bereit bist, dieses Geld zu bezahlen, dann bedeutet das, dass wir eben nicht zusammen kommen, und das ist ok. Aber es bedeutet nicht, dass ich meine Kurse billiger mache. Weil: nein.
Ich verrat dir was: Jedem Businesscoach oder BWL-Experten oder Wirtschafts-Consultant (was ist das überhaupt?) würden beim Anblick unserer Kalkulation die Fußnägel hochrollen. Selbige Menschen würden dann verzweifelt versuchen, uns einzutrichtern, dass man als Selbstständiger mindestens 70–100 € Stundensatz braucht, um am Ende ein durchschnittliches (kein gutes!) Angestelltengehalt übrig zu behalten. Ein Anwalt schickte mir gerade eine Honorarvereinbarung (ich unterschrieb noch nicht) über 300 € + MwSt PRO STUNDE.
Spoiler: Von dem Satz sind wir ... nun ja, entfernt.
Welche Kosten hat man als Selbstständiger?
„70 € Stundenlohn? Dafür würde ich aber auch mal gern arbeiten!“, empört sich da der Angestellte weiter. Der, welcher jede seiner 40 Arbeits- und alle Überstunden, alle Urlaubs-, Kranken- und Feiertage bezahlt bekommt. Der, welcher nur den Arbeitnehmer-Anteil der Kranken- und Rentenbeiträge abgezogen bekommt. Der, welcher sich nie um Arbeitsplatzausstattung oder gar Werbung und Kundenakquise kümmern muss. Ja, für den wären 70 € ganz ordentlich.
Für jemanden, der die eigene Website und alles drumrum, Software, Lizenzen, Abos, Werbeanzeigen, Geschäftskonto, Miete + Strom Büro, Glasfaser, Sponsoring, Verlosungen etc., Ausfall wenn jemand nicht zahlt, Newsletter, Steuerberatung, Mitgliedschaften, Werbepartner, Antrag Umsatzsteuerbefreiung, ggf. Künstlersozialkasse, Lehrmaterial, Fortbildungen, Büromaterial, noch mehr Werbung und und und finanzieren muss, nicht.
Und ganz unverschämt halt noch MEINE EIGENE ARBEITSZEIT, die hätte ich auch gern bezahlt.
Was Angestellte auch gern vergessen: Selbstständige zahlen den Arbeitnehmer- UND den Arbeitgeber-Anteil der Versicherungen. Spannender Artikel des VGSD dazu: https://www.vgsd.de/rechenbeispiel-einzelunternehmer-in-versus-arbeitnehmer-inbei-gleicher-arbeit-250-euro-weniger-netto-fuer-selbststaendige
Manchmal zahlen sie auch deutlich mehr Steuern. Noch ein spannender Artikel des VGSD dazu: https://www.vgsd.de/warum-selbststaendige-deutlich-mehr-steuern-zahlen-muessen-als-angestellte
Selbstständige erwirtschaften keine 40 Stunden pro Woche Einkommen, weil wir die Hälfte der Zeit mit Verwaltung, Buchhaltung und Marketing verbringen, was aber genau so Arbeitszeit ist – unbezahlte. Selbstständige müssen einnahmefreie Urlaubs-, Kranken-, Feier- und Weiterbildungstage kompensieren.
Lass uns einfach nochmal sprechen, wenn du auch selbstständig bist.
Warum sind andere Anbieter dann günstiger?
Kurze Antwort: Ich weiß es nicht.
Lange Antwort: Unsere Kurse kosten nicht, was sie kosten, weil wir so einen Heidenspaß daran haben, euch unberechtigterweise Geld aus der Tasche zu ziehen. Wir rufen keine Luxuspreise auf; wir errechnen Preise, die wir nehmen *müssen*, um irgendwie zu funktionieren.
Erstens, weil ich an meiner Schule Honorare zahlen möchte, die einem nicht sofort die Tränen in die Augen treiben (nahezu unmöglich im Sprachbereich). Zweitens, weil ich mit abgeschlossenem Studium und zwölf Jahren auf- und ausgebauter Selbstständigkeit nach Abzug allen Trallawumms supergern mehr als den Mindestlohn übrig hätte. Was ich bei 100.000 € Jahresumsatz übrigens nicht habe.
Bisschen nachvollziehbar?
Vielleicht findest du andere, die günstigere Sprachkurse anbieten. Vielleicht zahlen die schlechtere Honorare. Vielleicht hinterziehen die Steuern, Rentenversicherung, ZFU-Gebühren oder KSK. Vielleicht sind die die Non-profit-VHS und bekommen die Hälfte der Kosten auch noch vom Land bezuschusst. Vielleicht kennen die aber auch einfach nur geheime Rechenoperationen, mit denen nach allen Abzügen laufender Kosten mehr übrig bleibt als bei mir. Keine Ahnung, sinnvolle Tipps aber gern gesehen.
Bei aller Liebe, buch deine Kurse woanders, wenn dir unsere zu teuer sind. Aber mach dein Problem bitte nicht zu meinem, ich habe schon genug davon mit der Kalkulation.
Wie Rabatte bei Sprachkursen funktionieren und wann du bei uns sparen kannst, erfährst du in unserem Artikel über Sprachkurs-Rabatte.
Was sind Dumpingpreise bei Sprachkursen?
Ganz wichtiges Thema zum Schluss: Der Sprachdienstleistungsmarkt ist durch Dumping verdorben, das sollte uns allen klar sein, so dass das öffentliche Bild von „günstig“ und „teuer“ nicht nur verzerrt, sondern schlicht falsch ist. Neben kostenlosen Apps, die natürlich was ganz anderes tun als es menschlicher Unterricht leistet, gibt es genug „Lehrer“ auf Kleinanzeigen oder Tutor-Portalen, die für 15,- € die Stunde „unterrichten“ und uns damit alles Seriöse komplett zerstören. Von 15 € zahlt niemand Steuern oder Versicherungen, glaub mir. Deine Entscheidung, wie du dazu stehst.
Du kennst die Qualifikation dieser Anbieter nicht und kannst keinerlei offizielle Teilnahmenachweise bekommen. Wer als Hobby nebenbei bisschen Kurse gibt, ist oft weniger interessiert an fachlichen Fortbildungen und hat im Vergleich zu einer Schule auch weniger guten Zugang zu immer und immer wieder aktualisierten Lehrmaterialien. Das kann sich auf die Qualität deines Unterrichts auswirken.
Solche privaten Kurse können nicht durch staatliche Programme gefördert werden, und die Kosten werden sicherlich auch nicht von einem möglichen neuen Arbeitgeber im Ausland übernommen – der möchte verständlicherweise mit anerkannten Bildungsinstitutionen zusammenarbeiten, wenn er sich zur finanziellen Unterstützung eingewanderter Arbeitnehmer bereit erklärt.
Bieten wir alles an. Sogar auf Rechnung. ;-) Unsere Lehrer sind außerdem durch Studium oder einschlägige Sprachausbildung hochqualifizierte Experten, die ebenfalls gern ihr nächstes Butterbrot durch normale Arbeit verdienen wollen. Und Expertenarbeit kostet eben mehr Geld als ne App. Kann ich nicht ändern.
Was ich jedenfalls möchte, das du verstehst, ist: Wir sind nicht teuer, die Dumping-Kurse sind billig. Zu billig. Weil sie keine der normalen Kosten eines vernünftigen Sprachanbieters decken müssen oder wollen, die, wie du oben gesehen hast, wahrscheinlich höher sind als man erwartet, wenn man selbst keine Sprachschule betreibt.
Würden wir auch nur die genannte Unterkante der genannten nötigen 70 € anstreben (von 100 € mag ich gar nicht träumen, bei 300 € krieg ich Schnappatmung!), müssten eure Sprachkurse bestimmt dreimal so viel kosten wie jetzt, und dann wäre die Empörung natürlich auch wieder riesig.




