Warum es bei uns nicht so oft Rabatte gibt

Diesen Artikel wollte ich schon ewig schreiben, jetzt hat mich eine Plakatwerbung von Hornbach inspiriert, es endlich zu tun. Die lautet:
„Wer Rabatte gibt, war vorher zu teuer.“
Und joa, is was dran. Oder?
Jeder normal wirtschaftlich denkende Mensch, der Rabatt gibt, verdient nach dem Rabatt immer noch genug, denn niemand verkauft mit Verlust (außer ich; dazu gleich mehr). Würde ich euch reihenweise 20-30-40 % Rabatt auf Sprachkurse geben, müsste das also bedeuten, dass ich auch mit 20-30-40 % weniger Geld noch wirtschaftlich überleben könnte, und die 20-30-40 % wären einfach ein Zusatzgewinn ohne zusätzliche Leistung, die ich draufschlüge, weil ich geldgeil wäre.
Bin ich nicht.
Aber wie die allermeisten Menschen auf diesem Planeten möchte ich von meiner Arbeit leben. Nicht reich werden, nicht groß für die Rente zurücklegen (HAHAHA als ob), nicht dreimal im Jahr in den Urlaub. Einfach nur meine Lebenskosten decken. Dazu muss ich die Preise nehmen, die ich nehme; darunter geht es nicht.
Wenn es gehen würde, würde ich es nämlich tun.
Wie viel Rabatt auf Sprachkurse ist möglich?
Wenn ich einen Rabatt gebe, dann einfach aus Nettigkeit. Die Entscheidung ist jedes Mal: Geld für mich oder für dich. Entscheide ich mich für „dich“, dann habe ich entsprechend weniger zur Verfügung, und das ist wirklich nur reine Freundlichkeit, kein wirtschaftlich sinnvoller Vorgang.
Vor zwei Jahren feierte Ordcap 10-jähriges Bestehen, und dazu gab es einen Monat lang alle Sprachkurse 10 % günstiger. Und da habe ich tatsächlich draufgezahlt. Das war eine Aktion, um den Geburtstag zu feiern, und ich wollte an dem Punkt den Kunden was schenken. Ich habs gern gemacht. Aber klug wars nicht.
Denn wenn ich dir 10 % Rabatt gebe, ziehe ich die natürlich nicht deinem Lehrer vom Honorar ab, sondern nur von dem Teil, der danach übrigbleibt. Da habe ich dann gerne ein Drittel weniger zur Verfügung – noch nicht als Gewinn, sondern als das, womit ich die Schule unterhalten muss! Würdest du von jetzt auf gleich mit einem Drittel weniger Geld auskommen, wenn eh schon alles knapp kalkuliert ist?
Nach Abzug meiner Fixkosten geht nochmal gut die Hälfte weg für Steuern und Versicherungen. Am Ende eine Aufwandsentschädigung für mein eigenes Tun kurz überm Mindestlohn übrig zu behalten, ist da schon eine Kunst. Als Sprachdienstleister verdient man kacke.
Welche Kosten hat man eigentlich so als Sprachschule?
„Was kann denn daran so teuer sein? Alles, was ihr braucht fürs Onlinebusiness, ist doch ein Computer.“
Ja, den und eine riesige Menge an Software, Lizenzen, Anträgen, Werbung natürlich, anderen Dienstleistern und tausend Dinge mehr, die eben eine Bildungsinstitution so mit sich bringt. Ich bin kein digital nomad, der mit Laptop am Strand sitzt und von Luft und Liebe lebt. Ich habe eine Schule zu unterhalten, und das will ich vernünftig tun. Welche Kosten das wirklich verursacht und warum unsere Preise darum so kalkuliert sein müssen, wie sie es sind, liest du in diesem Artikel.
Es ist erstaunlich teuer, eine Bildungsinstitution seriös zu betreiben, glaub mir. Darum fällt es mir schwer, Vergünstigungen anzubieten, denn was hilft es mir, dass ein Kunde dann kurzfristig happy ist, ich aber langfristig kein Essen mehr auf dem Tisch habe – übertrieben gesprochen, versteht sich.
Wie kann ich denn Sprachkurse günstiger bekommen?
Es ist ja nicht so, als böten wir gar keine Rabatte an.
Mitglieder der Deutsch-Norwegischen Freundschaftsgesellschaft, der Deutsch-Finnischen Gesellschaft und des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschlands bekommen ihre Kurse 5 % günstiger. Im Gegenzug darf ich Werbung auf deren Websites platzieren. Okayer Deal für mich – ich spare halt die Werbekosten. Gebe ich dir aus Spaß einfach so mal hier und da einen Rabatt, bekomme ich keine Gegenleistung, sondern habe einfach nur Minus. Kein sooo okayer Deal.
Wenn du einen Kunden wirbst, jemand also auf deine Empfehlung hin einen Kurs bei uns bucht, bekommst du deinen nächsten Kurs ebenfalls günstiger, hier sogar um 10 %.
Den gleichen Rabatt gibt das, wenn du eine zweite (oder dritte, oder vierte …) Sprache bei uns lernst. Das ist ein Dankeschön an dich für deine Treue und Zufriedenheit.
Mehr dazu hier: https://www.ordcap.de/sprachkurse/preise#rabatt
Aktionsmäßig gab es bei Ordcap auch schon mal einen Frühbucherrabatt, in den letzten Gruppenkursrunden habe ich immer ein paar Kursplätze verlost, und ich kann mir auch weitere zeitlich begrenzte Aktionen für Feiertage o. Ä. in Zukunft vorstellen. Aber eben als kurze, gezielte Werbestrategie, nicht als random Billigermachen.
Klar, ich könnte auch anbieten, dass du einen Rabatt bekommst, wenn du uns eine Fünf-Sterne-Bewertung schreibst oder unseren Namen möglichst oft auf Facebook erwähnst. Ist aber nicht erlaubt. Wer seinen Kunden oder gern auch Fake-Kunden solche „Geschäfte“ anbietet, macht sich in Deutschland tatsächlich strafbar.
Bekommt man als Stammkunde Sprachkurse günstiger?
Oft kommt halt bei mir die Frage nach „Bestandskundenrabatt“, und im Kern verstehe ich sie ja. Aber dann auch wieder nicht. Lass mich ein wenig erklären:
Erstens: „Bestandskunde“ ist beim Sprachenlernen schwierig. Es kamen wirklich schon Mails, in denen stand sowas wie „Ich besuche bereits meinen zweiten Kurs, könnte ich den ab jetzt günstiger haben?“ Nein. Es ist das PRINZIP von Sprachkursen, dass man mehrere besucht. So funktioniert Sprachenlernen. Es kann keinen Rabatt auf den normalen Schul-Vorgang geben, das wäre ziemlich absurd.
Zweitens: Eine Dienstleistung wird nicht günstiger „herstellbar“, wenn man mehr davon anfordert wie bei einer Fabrik-Massenproduktion. Dein Lehrer möchte auch in der hundertsten Unterrichtsstunde noch ein gutes Honorar bekommen. Und obwohl ich jemanden, der den zehnten Kurs bucht, nicht mehr aktiv „anwerben“ muss, muss ich alle anderen Betriebskosten (s. Artikel zu den Kosten) ja weiterhin bezahlen.
Drittens – und das wurmt mich eigentlich am meisten: Es ist eine Sache des Respekts. Fragst du überall, wo du mehr als einmal einkaufst, nach einem Rabatt? Nein? Warum dann bei uns? Es impliziert doch irgendwie, dass du das, was wir anbieten, nicht für das wertschätzt, was es wert ist. Was bei mir ankommt, ist „Weil ich nicht gern Geld bezahlen möchte, fände ich es angemessen, wenn jemand anderes für weniger Geld arbeitet.“ Und nee. Einfach nee.
Ich wohne seit 14 Jahren in meiner Wohnung. Noch nie kam ich auf die Idee, meinen Vermieter nach einem Rabatt zu fragen. Ich bin doch Bestandsmieter? Pflegeleicht? Keine Beschwerden der Nachbarn, putze pünktlich das Treppenhaus, keine Anwerbung mehr nötig. Wenn es jemand verdient, für diese Treue und Redlichkeit belohnt zu werden, dann langjährige Mieter wie ich! Fiele mir aber im Traum nicht ein, das anzusprechen.
Genauso wenig beim Aldi nebenan, in dem ich seit 14 Jahren Stammkunde bin, oder in der Autowerkstatt, in die ich seit Jahren fahre, oder im Schwimmbad oder bei Ikea oder in meinem Lieblingscafé. Da bin ich überall andauernd (bei Hornbach übrigens auch). Würdest du da auf die Idee kommen, dass einem dafür ein Rabatt zustehen könnte? Warum dann bei uns? Die haben alle die hundertfache Gewinnspanne von dem, was wir haben, vielleicht die tausendfache. Wenn es sich jemand leisten könnte, dann die. Nicht wir.
Kurzum: Es geht neben Geld auch immer um Wertschätzung, die ich mir mindestens genau so wünsche für meine Arbeit.
Wie kann ich sonst noch beim Sprachkurs sparen?
Schon jetzt sind unsere Kurse förderfähig über ZAV/EURES und den BFD. Wenn das für dich in Frage kommt, wende dich an die entsprechenden Stellen und kläre dort, welche Fördersumme dir unter welchen Umständen zusteht. Dann fülle ich gern mit dir die Formulare aus, und es könnte möglicherweise einen richtig dicken Sprachkurs für lau geben für dich. :-)
Ich hoffe, eines Tages auch mit Bildungsgutscheinen arbeiten zu können. Das Prozedere dauert aber aktuell noch, weil siebentausend andere Sachen anstehen.
Vielleicht sind dir persönlich unsere Kurse trotzdem nicht ihren Preis wert. Das ist ok. Kauf woanders.
Ich bin jedenfalls der Meinung, dass wir das, was wir anbieten, noch deutlich unter Wert verkaufen und der Hornbach-Spruch eher noch in abgeänderter Form für uns gilt:
„Wer keine Rabatte geben kann, ist zu billig.“




