Vokabeln lernen


8 Methoden, wie ihr norwegische Wörter in euren Kopf bekommt

 

Irgendwie hassen es alle, aber jeder weiß, dass Fremdsprachenunterricht ohne natürlich nicht funktioniert: Vokabeln lernen. Ein gefestigtes und sich ständig vergrößerndes (aktives!) Vokabular ist auf Dauer aber unabdingbar, um immer mehr und anspruchsvollere Texte lesen, Gesprochenes verstehen – ganz viel Hilfe beim dazu gibt es im Artikel Hörverständnis – und an Unterhaltungen reibungsloser teilnehmen zu können.

 

Wie ihr euch neue Wörter gut merken könnt

 

Das braucht Training, und deswegen möchte ich euch hier ein paar Möglichkeiten dafür vorstellen. Wie immer gilt: Nicht jeder Mensch lernt auf die gleiche Art und Weise gleich gut, so dass ihr einfach mal ausprobieren müsst, welche Lernmethoden für euch gut funktionieren oder welche ihr sogar kombinieren könnt.

 

(Übrigens: Wir haben Glück, dass die Sprachen Norwegisch und Deutsch so nah verwandt sind, dass ihr viele Wörter mit ein wenig Training ganz gut ableiten und euch so eine große Portion Auswendiglern-Frust sparen könnt. Zwei ausführliche Blog-Artikel findet ihr dazu hier: Leseverständnis I & Leseverständnis II.)

 

 

1. Die Wörterliste des Lehrbuchs

 

Das ist eine der zeitsparendsten Methode. Das Buch habt ihr sowieso griffbereit, wenn ihr eure Hausaufgaben macht (natürlich macht ihr immer fleißig Hausaufgaben!), und es ist super hilfreich, die Wörter, die ihr lernen möchtet, in dem Text nochmal im größeren Zusammenhang nachlesen zu können. Ihr könnt die Listen zuerst norwegisch-deutsch abarbeiten (deutsche Seite abdecken), das ist die einfachere Richtung. Und wenn das gut klappt, geht es deutsch-norwegisch von vorn los (norwegische Seite abdecken). Dies ist die wichtigere Richtung.

 

Ihr könnt euch auch Notizen in die Vokabellisten machen, z. B. stumme Buchstaben mit Bleistift durchstreichen (siehe Beitrag über Konsonanten). Eine Schülerin hat mal direkt im Buch die en-Wörter, ei-Wörter und et-Wörter jeweils mit verschiedenfarbigen Textmarkern hervorgehoben, weil ihr bildliches Gedächtnis die Farben besonders gut verarbeiten konnte. Genauso könnte man Verben der Klassen 1-4 in vier Farben markieren. Prima Idee, oder? 

 

 

2. Vokabelheft

 

Traditionell aus Schulzeiten kennen wir natürlich Vokabelhefte, aber Spaß geht anders. ABER, meine Lieben: Ein Wort eigenhändig zu schreiben verstärkt die Erinnerung daran um ein Vielfaches im Gegensatz zum einfachen Lesen. Haben wir das also erstmal zu Papier gebracht – auch hier ist der Einsatz von Farben sinnvoll – ist das Auswendiglernen schon halb geschehen. Und Wörter nicht nur sagen, sondern auch korrekt buchstabieren zu können, ist auch eh irgendwie fein.

 

Auch hier gilt das Lernen in beide Richtungen (s. o.), denn: "Ich kann alle Vokabeln norwegisch-deutsch" bedeutet NICHT, dass ihr alle Vokabeln könnt. "Ich kann alle Vokabeln deutsch-norwegisch" hingegen schon. Wirklich wahr.

 

Pro-Tipp: Das Heftchen immer dabeihaben, dann könnt ihr unterwegs lernen (Bus, Mittagspause, Wartezimmer, Klo, ...) und euch zudem schnell neue Wörter notieren, die euch im Laufe des Tages begegnen, um sie nicht zu vergessen.

 

 

3. Karteikarten

 

Das Prinzip ist das gleiche wie beim Heft: Wir müssen erstmal die Wörter schreiben. Auf Karteikarten kann man auch ganze Sätze und Zusatzinfos (und Farben!) unterbringen, das ist im Heft oft knapp. Wer sich selbst gut mit dem Kasten-System motivieren kann, in dem man die "gewussten" Karten immer ein Fach weiter nach hinten steckt und die "nicht gewussten" so lange im selben Fach wiederholt, bis man auch sie kann, für den ist das eine sehr schön strukturierte Methode und man sieht direkt, wo man im Lernprozess steht.

 

Großes Glück für die schreibfaulen Lerner: Es gibt bei Lernkarten24 bereits fertige norwegische Karten zu kaufen, die euch mit dem wesentlichen Grundwortschatz versorgen, der euch bei euren ersten Sprachschritten hilft. Da geht der Schreib-Vorteil flöten, aber ihr spart Zeit und Arbeit und könnt sicher sein, die wirklich wichtigen Wörter zu lernen und euch nicht mit Unsinn aufzuhalten.

 

 

4. Smartphone-Apps oder andere Programme

 

Ein paar Lehrwerke bieten bereits eine eigene App mit dem entsprechenden Vokabular des Buches an, z. B. Norsk for deg. Auch für Et år i Norge und Nå begynner vi gibt es (selbstgebastelte) Programm. Das ist extrem praktisch: Man kann die Lektion, die man aktuell bearbeitet, auch in der App auswählen und die entsprechenden Wörter trainieren oder zu bestimmten Themen zurückspringen, die man wiederholen möchte.

 

Auch separate Apps für Norwegisch sind erhältlich, ebenso Websites usw., auf denen man mit virtuellen Karteikarten oder in Mehrfach-Auswahl Wörter übersetzen lernen kann. Beispiele sind dict.cc, vokabeln.org, Pons (mit kostenloser Anmeldung) oder die Quizseite auf Heinzelnisse. Der abgefragte Wortschatz stimmt aber wahrscheinlich nicht mit eurem Lernstand überein.

 

Ein großer Vorteil ist, dass die Programme oft mit Ton kommen, d. h. euch das Wort vorlesen, so dass ihr direkt die Aussprache noch einmal mitlernt. Apps hat man zudem immer dabei und auch hier gilt: Bus, Mittagspause, Wartezimmer, Klo, … sind eigentlich echt gute Lernorte.

 

Ein paar der automatischen Abfragen basieren leider nicht darauf, dass man ein Wort eintippt oder auswählt, sondern sich die Antwort anzeigen lassen muss, um dann zu klicken "Ja, wusste ich" oder "Nein, wusste ich nicht". Das halte ich für alles andere als gutes Training, denn besonders die korrekte Schreibweise prägt sich damit kaum ein.

 

(Hier habe ich übrigens einmal die Lernmethode von Duolingo getestet - lies selbst!)

 

 

5. Post-its in der Wohnung

 

Was seltsam klingt, kann wirklich funktionieren! Man lernt damit nicht mal eben alle Vokabeln einer Lehrbuchlektion, aber die, die besonders schwierig zu merken oder ganz verrückt unregelmäßig sind, hämmert es euch definitiv ins Gedächtnis, weil ihr den Wörtern den ganzen Tag über immer wieder begegnet.

 

Ihr schreibt euch also kleine Notizen mit wichtigen Ausdrücken auf Norwegisch und klebt sie in eurer Wohnung gut sichtbar auf Gegenstände, die ihr logisch damit verbinden könnt. Beispiele: An den Fenstergriff kommt "Det er oppholdsvær"/"skredfare" wegen der schwer zu merkenden Wörter, an den Kühlschrank "syltetøy" wegen der Schreibweise und "et storT egg, storE egg_" als Adjektivhilfe, an die Wohnungstür "Velkommen TIL ..." wegen der ungewöhnlichen Präposition und "en nøkkel, nøkkelen, nøKLer, nøKLene" wegen des unregelmäßigen Plurals, an den Kleiderschrank "genserEN min, buksA mi, skjørtET mitt" als Artikel- bzw. Pronomenhilfe. Oder oder oder.

 

Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, ihr könnt mit Farben, Formen und Bildern arbeiten und euch die dollsten Eselsbrücken ausdenken. Je abgefahrener, desto besser, denn Ungewöhnliches merkt man sich einfacher. Ihr könnt auch Zettel in Schubladen oder Tupperdosen legen, die ihr somit das nächste Mal erst in ein paar Tagen wieder findet; das macht die Wörter noch "besonderer" und damit einprägsamer. In eurem ganz normalen Alltag springen euch die Wörter also viele Male vor die Augen und könnt sie irgendwann garantiert.

 

 

6. Lernen in Bewegung

 

Es gibt Forscher, die behaupten, in Bewegung lasse sich besonders wirksam lernen. Das habe ich selbst noch nicht ausprobiert, bin aber offen für diese Idee. Gemeint ist hauptsächlich, dass man z. B. im Sprachkurs durch den Raum geht, während man mit den Mitschülern kleine Dialoge auswendig lernt, oder während eines kurzen Spaziergangs Wörter lernt, an die man sich in einer zweiten Runde derselben Strecke an den jeweiligen Stellen erinnern soll.

 

Bewegung könnt ihr bei euch zuhause beim Vokabellernen auch ausprobieren: Geht lesend mit eurem Vokabelheft umher, lernt unterschiedliche Wortfamilien in unterschiedlichen Zimmern bzw. im Garten oder auf dem Balkon oder lasst euch die App beim Joggen deutsch-norwegische Wortpaare vorlesen. Ich würde dafür nicht meine Hand ins Feuer legen, aber Testen schadet sicher nicht. 

 

 

7. Assoziation

 

Zugegebenermaßen bin ich nicht der allergrößte Fan von sprachenlernen24, aber dieser Artikel erklärt sehr schön, was ich seit Urzeiten praktiziere und immer zu faul war, aufzuschreiben. Daher hier ein Link zur Assoziationsmethode fürs Vokabellernen. Lest euch das mal durch!

 

Es geht darum, die Bedeutung, den Klang oder auch das "Aussehen" des neuen norwegischen Wortes und seiner deutschen Entsprechung mithilfe einer vermittelnden Assoziation so miteinander in Verbindung zu bringen, dass ihr von einem aufs andere schließen könnt. Wie bereits gesagt sind fantasievolle und verrückte Einfälle wirksamer fürs Merken, solange sie für euch selbst logisch oder vielleicht mit einer persönlichen Erinnerung verbunden sind.

 

Bei mir lief das u. a. mit dem norwegischen Wort "dronning", das mich anfangs an "Drohne" erinnerte. Und Drohnen sind Bienen und Bienen haben eine Königin: dronning = Königin. Die bekam in meinem Kopf dann ein gelbes Kleid an, so dass ich auch beim deutschen Wort "Königin" an die gelbe Biene dachte (sehr vereinfacht): Hm… was machen Bienen? Honig ... nein, das war's nicht ... Oder irgendwie was mit Drohn-… dronning! Bäm! Ein kleiner Umweg, aber gemerkt für alle Ewigkeit. (Wem es hilft: Honig heißt "honning" und reimt sich auf "dronning"  kann man auch gebrauchen.)

 

 

8. Selbstgespräche

 

Da viele Lehrbücher mit Bildern arbeiten, erinnern wir uns beim Anblick einer Sache oft, dass wir das Wort dafür doch irgendwann mal gelernt haben. Das eigentliche Wort hingegen ... ist vielleicht weg. Damit das nicht passiert, integriert das Wiederholen clever in euren Alltag, und zwar möglichst schnell nach dem ersten Kontakt mit der Vokabel. Ihr könnt euer Gehirn nämlich darauf trainieren, beim Betrachten einer Sache oder Situation das zugehörige norwegische Vokabular abzuspulen. Mit etwas Training genügt irgendwann sogar der reine Gedanke daran  und das kommt euch beim freien Sprechen natürlich zugute!

 

Sagt oder denkt das norwegische Wort aller Dinge, die euch im Laufe des Tages begegnen, und kommentiert (im Kopf) all eure Tätigkeiten. Am Frühstückstisch könnten euch Wörter einfallen wie et brød, et rundstykke med ost, en kopp kaffe, å spise, å drikke, sulten, tørst, anschließend im Bad en dusj, å pusse tennene, tom for dopapir, auf dem Weg zur Arbeit vielleicht ei veske, ei gate, å ha det travelt, å ta bussen til sentrum ("kjøre buss" macht der Busfahrer).

 

Geht mit offenen Augen durch den Tag und bastelt zu jeder Situation thematisch passend kleine Sätze: "Jeg kjører bil", "Bilen min er blå. Den bilen der er rød. Jeg vil ha en ny bil" oder "Jeg har førerkort. Har du førerkort?" Die müssen nicht lang sein, aber präzise.

 

Hierbei geht es nicht darum, möglichst viele neue Wörter zu lernen, d. h. ihr sollt nicht im Wörterbuch nachschlagen oder all zu lang grübeln, wenn ihr einen Ausdruck nicht kennt. Es geht darum, mit eurem vorhandenen Wortschatz zu arbeiten und ihn durch die Verknüpfung mit Bildern und Gedanken zu festigen.

 

Weitere Möglichkeiten:

Beschreibt bei jedem Blick aus dem Fenster das Wetter.

Zählt bei jedem Blick in den Spiegel auf, welche Kleidungsstücke ihr tragt und in welcher Farbe.

Nennt bei jedem Blick auf die Uhr die norwegische Uhrzeit.

Sprecht überhaupt alle Zahlen vor euch hin, die euch im Alltag vor die Augen kommen, also Telefonnummern, Hausnummern, Seitenzahlen, Preisschilder/Kassenbons, Daten, alles. Zahlen sind für viele schwierig, deshalb müssen sie besonders gut geübt werden.

 

Überlegt euch abends kurz eine mündliche Zusammenfassung eures Tages: "Jeg stod opp, spiste frokost, tok en dusj, dro på jobb, kom hjem, lagde/laget middag, så på tv og nå er jeg trøtt." Verben sind das A und O, und besonders das Präteritum bedarf des ständigen Trainings.

 

Zusatz-Tipp: Fangt an, euren Einkaufszettel, eure To-do-Listen oder eure Termine im Kalender auf Norwegisch zu schreiben. Gewöhnt euch somit noch stärker daran, norwegisch zu denken.

 

Verknüpft ALLES, was ihr seht, tut oder fühlt mit eurem vorhandenen norwegischen Vokabular und WIEDERHOLT ES, entweder laut ausgesprochen oder nur gedacht, jeden Tag, immer wieder aufs Neue. Je öfter ihr das macht, desto besser; die Routine bzw. die sofortige Erinnerung an die Vokabeln kommt mit der Zeit.

 

Diese Methode ist unkompliziert, braucht keine extra Zeit und ist kostenlos – was will man mehr?

 

 

9. Grundsätzliches zum Pauken

 

  • Setzt beim Lernen auf Häufigkeit und Regelmäßigkeit, nicht auf Masse. Oft kleine Mengen neuer Wörter zu lernen bringt viel mehr als in einem Anlauf drei Seiten können zu wollen.
  • Ebenso in zeitlicher Hinsicht: Mehrere kurze Lernabschnitte sind viel effektiver als wenige lange. Lernt um Himmels Willen keine Stunde lang Vokabeln!
  • Wiederholt so häufig wie möglich, gern jeden Tag, nicht nur einmal die Woche kurz vorm Unterricht. Viele der o. g. Lernmethoden passen unkompliziert in jeden Alltag, also keine Ausreden bitte!
  • Lernt Wörter am besten in den Sätzen, in denen sie in eurem Lehrbuch vorkommen. So prägen sie sich viel besser ein und ihr habt gratis dazu noch ein Beispiel für korrekten Satzbau im Kopf, das ihr sicher irgendwo anwenden könnt.
  • Lest. Beginnt mit einfachen Texten und steigert euch ganz, ganz langsam. Viele unbekannte Ausdrücke lassen sich aus dem Zusammenhang erschließen und ihr müsst sie gar nicht nachschlagen. Je öfter ihr lest, desto öfter begegnet ihr ihnen, und irgendwann sind sie nicht mehr unbekannt.
  • Auch beim Lesen gilt: Weniger Menge in mehreren Wiederholungen ist der Trick. Jeden Tag ein kleiner Textabschnitt mit fünf bis zehn Zeilen oder auch nur drei, vier Schlagzeilen auf einer Nachrichtenseite (z. B. klartale.no oder nrk.no) reichen am Anfang. Später darf es dann mal ein ganzer Artikel sein.
  • Lernt Substantive IMMER sofort mit ihrem Artikel (en, ei, et), Verben IMMER sofort mit ihren Vergangenheitsformen. Das spart später das Rumraten.
  • Substantive lassen sich besser in der bestimmten Form lernen als in der unbestimmten: genseren, buksa und skjørtet sind einprägsamer als en genser, ei bukse und et skjørt – kleine Wörter wie Artikel übersieht und vergisst das Gehirn leichter.

 

Uff, das war eine ganze Menge. War etwas für euch dabei? Schreibt mir gern, was ihr davon haltet. Außerdem interessiert mich, ob ihr noch andere Methoden zum Lernen kennt. Die nehme ich dann gern hier mit auf.

 

Ich wünsche euch viel Erfolg!

 

 



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